Deutsche Sinologen sorgten jüngst mit ihrem in der NZZ als Gastkommentar veröffentlichten Bericht über ihre Xinjiang-Forschungsreise für Verstimmung bei Exil- Uiguren

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Die beiden Professoren, denen in der deutschen Sinologie eine entscheidende Rolle zukommt, behaupteten, dass es „in Xinjiang“ klare Anzeichen für eine Rückkehr zur „Normalität“ gebe. 

Diese dreiste Meldung, die ausgerechnet zum 22. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 veröffentlicht wurde, ist für die uigurische Exil-Gemeinschaft zutiefst verstörend. Denn seit sieben Jahren versucht diese, die chinesische Regierung dazu zu bringen, den Genozid an ihrem Volk zu beenden.

Thomas Heberer, Seniorprofessor von der Universität Duisburg-Essen und Helwig Schmidt-Glintzer, Direktor des China-Zentrums an der Universität Tübingen scheinen in ihrem Text durch offenkundige diskriminierende Täter-Opfer-Umkehr bemüht, bei den Lesern ein Verständnis für Pekings „zweifellos überharte Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung“ wecken zu wollen.

Jeglichen Gegenberichten und Leaks zu trotz bezeichneten die beiden Autoren, Chinas Gräueltaten in „Xinjiang“, schamlos als „erfolgreiche Kampagne gegen Terrorismus und Islamismus“ und nährten in ihrem Skript von Anfang bis Ende, die ideologische Propaganda der KPCh, die das ab dem 11. September beliebt gewordene Feindbild, Islam, miteinbezieht. Die Verwendung solcher Stereotypen im Text wie z.B. „eine uigurische (muslimisch geprägte) Bevölkerung, die Peking aus Angst im Zaum hält“ ,könnte dazu führen, dass die Professoren möglicherweise Leser ansprechen, die sich durch den Islam bedroht fühlen und wenig Wissen über die Uiguren haben. Daher ist die Taktik der beiden, sie in ein schlechtes Licht zu rücken, äußerst perfide! Dass unser Volk hier mit einem derart verzerrten Bild von sich konfrontiert wird, ist tragisch. Nicht nur, weil es unter diesen schweren Verbrechen leidet, sondern auch deshalb, weil es in Ostturkestan ( Xinjiang) nicht in der Lage ist, seine eigene Stimme zu erheben.

Außerdem erwähnten Heberer und Schmidt- Glintzer nicht, dass China vor dem „War on Terror” ab 9/11 die Uiguren nie des Islamismus und des Terrorismus beschuldigte, sondern lediglich des Separatismus, um seine Repressionen ihnen gegenüber zu rechtfertigen.

Ungeachtet des ethnisch-religiös motivierten Staatsterrors, der nach wie vor brutale Verbrechen gegen Uiguren hervorbringt und dieser augenblicklich sogar im anhaltenden Genozid gipfelt, verteidigen sie Peking.

Mit ihrer Behauptung, dass sich die Verhältnisse in Xinjiang ( Ostturkestan) normalisieren würden, beriefen sich die beiden auch ohne Bedenken auf Ma Xingrui, den Parteisekretär der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang, der angeblich auf Pekings Wunsch, dieses Ziel verfolgt. Ma ist dafür bekannt die Vorwürfe über Menschenrechtsverletzungen öffentlich mehrfach als westliche Lügen betitelt zu haben.

Die beiden Sinologen schrieben in ihrem Bericht: „Peking sah sich gezwungen“ aktiv gegen „islamistische Terroristen“ vorzugehen. Die Leser sollen der chinesischen Regierung quasi hoch anrechnen, dass sie alle unsere Landsleute in Xinjiang (Ostturkestan) erfolgreich dazu gebracht hätte, ,endlich friedliche Menschen‘ zu sein. So etwa, die Argumentationsführung der Sinologen.

Die „uigurische Bevölkerung“, hätte selbst an islamistischen Terroranschlägen gelitten und konnte im Rahmen der „Kampagne“ geschützt werden, andernfalls wären ihre und die Sicherheit von ganz China gefährdet (?)

(Hier heuchelten die beiden dubiosen China-Professoren in ihrem Beitrag etwas Besorgnis für die Uiguren vor.)

Ihrer beider Logik (?!) zufolge kam es deshalb zu Masseninternierungen, worüber es „aufsehenerregende Berichte“ in „streng geführte Internierungslager“ gibt. Was für eine bewusste Verhöhnung unserer Opfer!

Rizwana Ilham, die Vorsitzende des Uigurischen Vereins in der Schweiz und Dolkun Isa, der Vorsitzende des uigurischen Weltkongresses mit Sitz in Deutschland antworteten den beiden Autoren mit einer Replik , die  ebenfalls vier Tage später in der NZZ als Gastkommentar mit der Überschrift „Die chinesische Regierung begeht einen Genozid an den Uiguren“ veröffentlicht wurde.  

Darin charakterisierten sie die Worte „Rückkehr zur Normalität, keine Diskriminierung der Religion und Kultur“ mit denen Thomas Heberer und Helwig Schmidt-Glintzer die Situation für unsere Landsleute in der Heimat beschrieben, in Anbetracht der jüngsten Ankündigung Xi Jinpings die bisherige Politik in Ostturkestan stärker durchzusetzen, als zynisch. Auch erwähnten Ilham und Isa, dass die Geburtenrate in der uigurischen Region, durch die Zwangssterilisation und andere Maßnahmen zwischen 2017 und 2019 auf knapp die Hälfte zurückging (!)

Ist das auch eine erfolgreiche präventive Maßnahme zur Terrorbekämpfung? Sah sich die chinesische Regierung, deshalb zur Anordnung der Geburtenverhinderung in der uigurischen Heimat , dazu gezwungen die Geburtenrate auf fast die Hälfte zu reduzieren?

Der gesamte Beitrag veranschaulicht die Skrupellosigkeit von Heberer und Schmidt- Glintzer. Durch die Übernahme der emotionslosen, menschenverachtenden Argumentationsstrategie der KPCh und durch Ausblenden von Fakten und Verbreitung der Propaganda unterstützen sie die chinesische Regierung darin, den Genozid zu verschleiern und heißen somit die Auslöschung der uigurischen Bevölkerung gut. Deshalb entlarven sich Heberer und Schmidt- Glintzer darin selbst unvermittelt als Befürworter des Uiguren- Genozids. 

Es sollte klar sein, dass Wissenschaftler die Verantwortung tragen, die Wahrheit zu suchen. Sie sollten Gerechtigkeit für die Opfer erreichen. Sascha Klotzbücher, Professor an der Georg-August-Universität Göttingen und Autor des Buches „Lange Schatten der Kulturrevolution“ beispielsweise kommentierte auf X die „Meinung” seiner beiden Kollegen treffend als „Schlag ins Gesicht für alle Uigur*innen.“

Sich mit der Uigurenfrage zu befassen, sollte Sinologen ein Anliegen sein, da sie grundlegende Prinzipien der Menschenrechte, Religionsfreiheit und ethnische Gleichberechtigung im Kontext zu China betrifft. Die Verleugnung, Relativierung oder Verharmlosung des Genozids bestärkt China in seinem Vorgehen gegen die Uiguren und schadet letztlich der Zukunft unserer Demokratie. 

Nach Veröffentlichung dieses skandalösen Texts schlug Heberer und Schmidt- Glitzer eine Welle immenser Empörung von China- Kennern entgegen, die wiederum eine Debatte unter Sinologen entfachte. Bei der Gelegenheit pochten deutsche Sinologen auf die Dringlichkeit und längst überfällige Aufarbeitung des Maoismus in Deutschland.

Bernd Ziesemer, Journalist und Autor des Buches „Maos deutscher Topagent- Wie China die Bundesrepublik eroberte“, forderte in seinem Tweet die systematische Aufarbeitung der systematischen Unterwanderung von deutscher Politik, Medien und Wissenschaft (vor allem der Sinologie) durch die KPCh.

Andreas Fulda, außerordentlicher Professor an der University of Nottingham betonte in diesem Zusammenhang, die Wichtigkeit sich die Biografie von Heberer und  Schmidt-Glintzer, ihre Wissenschaft und ihre öffentlichen Aussagen näher anzuschauen. Ihre „wissenschaftlichen Einschätzungen“ bewertete Fulda in einem Beispiel als „ausgesprochen problematisch“, wenn  man „sie genauer unter die Lupe nehmen“ würde, da aus der Betrachtungsweise beider aufgrund dessen, dass sie ‚Mao relativieren’ würden, nicht klar hervorgeht, ob „sie in Mao Zedong einen Diktator“ sehen würden, dessen „fehlgeleitete Politik zum Tod vieler Millionen Menschen geführt hat.“ (!!!)


1 thought on “Deutsche Sinologen sorgten jüngst mit ihrem in der NZZ als Gastkommentar veröffentlichten Bericht über ihre Xinjiang-Forschungsreise für Verstimmung bei Exil- Uiguren

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